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 Archiv für Urteile und Kurzinformationen

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 ältere Urteile und Kurzinformationen:

OLG Karlsruhe: Vollständige Darlehenstilgung durch geringerwertige Lebensversicherung möglich

Sieht ein Darlehensvertrag die Tilgung des Darlehen durch eine Lebensversicherung vor, erlischt die Darlehensforderung durch die Auszahlung der Versicherungssumme an die Bank. Dies sei selbst dann so, so das Oberlandesgericht Karlsruhe, wenn die Versicherungssumme hinter dem Darlehensbetrag zurück bleibe. Etwas Anderes könne nur gelten, wenn im Darlehensvertrag etwas Gegenteiliges stehe. (Urteil vom 04.04.2003, Az.: 15 U 8 /02, NJW 2003, 2322 )

 

OLG Dresden: Bauüberwacher muss Mängelbeseitigungen kontrollieren

Der bauaufsichtsführende Architekt hat grundsätzlich selbst und konkret die Beseitigung der jeweils festgestellten Mängel zu überwachen. Dies gilt auch bei Mängeln an handwerklich selbstverständlichen Arbeiten. Auf Fertigstellungsmeldungen der Handwerker darf er sich nicht verlassen. (Urteil vom 02.05.2002- 9U 2995/01)

 

VG Freiburg: Tätlichkeit gegen Lehrerin kann Schulausschluss rechtfertigen

Wer als Schüler seinen Lehrer angreift, kann sofort von der Schule verwiesen werden. Dies entschied das Verwaltungsgericht Freiburg und bestätigte damit den Schulverweis eines 12 Jahre alten Realschülers. Er hatte seiner Lehrerin vor versammelter Klasse gegen den Oberarm geschlagen und sie aufgefordert, sich zu «verpissen». Auch wenn der Junge nicht massiv gewalttätig geworden sei, sei sein Verhalten eine erhebliche Störung des Unterrichts, erklärten die Richter (Beschluss vom 11.09.2003, Az.: 2 K 1642/03, nicht rechtskräftig).

 

BGH: Schaden durch Fehler beim Betanken ist nicht ersatzfähig

Bei einem Motorschaden, der dadurch entstanden ist, dass anstelle von Diesel Benzin getankt wurde, handelt es sich um keinen versicherten Unfallschaden, sondern um einen nicht versicherten Betriebsschaden, für dessen Behebung der Kfz-Halter selbst aufkommen muss. Dies entschied der Bundesgerichtshof unter Hinweis auf den insoweit eindeutigen Wortlaut von § 12 Allgemeine Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung (AKB) (Urteil vom 25.06.2003, Az.: IV ZR 322/02)

 

LG München I: Belästigende Werbung durch Anrufe auf dem Handy untersagt

Anrufe auf einem Mobilfunktelefon, die wegen der Kürze der Verbindungsdauer nicht entgegengenommen werden können, verleiten tendentiell Handynutzer dazu, zurückzurufen. Sie stellen dann eine unzulässige und belästigende Werbung dar, wenn der Rückruf zu hohen Kosten führt und lediglich nicht gewünschte Werbung oder Dienstleistungen bereithält. Dies entschied das Landgericht München I in einem am 23.09.2003 bekanntgegebenen Urteil (Az.: 1 HK O 7754/03).

 

BGH: Vermieter braucht für die Räumung gegen einen Untermieter einen eigenen Titel

Nach § 750 Abs. 1 Satz 1 ZPO darf die Zwangsvollstreckung nur gegen eine Person begonnen werden, die im Titel oder der Vollstreckungsklausel als Schuldner bezeichnet ist. Dementsprechend entschied der Bundesgerichtshof, dass ein Vermieter die Räumungsvollstreckung gegen einen Untermieter nicht aufgrund eines gegen den Hauptmieter ergangenen Titels betreiben darf. (Beschluss vom 18.07.2003, Az.: IXa ZB 11/ 03)

 

VG Koblenz: Lärm einer Schule ist Nachbarn zumutbar

Der vom Spielbetrieb auf dem Pausen hof einer Schule ausgehende Lärm ist den Nachbarn zuzumuten. Mit dieser Begründung wies das Verwaltungsgericht Koblenz die Klage von Nachbarn auf Beschränkung einer Schulhofnutzung ab (Urteil vom 14.08.2003; Az.: 1 K 1074/03.KO).

 

BGH: Mieter verliert Minderungsrecht nicht mehr durch rügelose Weiterzahlung des Mietzinses

Nach dem neuen Mietrecht verliert der Mieter bei nachträglich auftretenden Mängeln seinen Anspruch auf Minderung nicht mehr allein dadurch, dass er die Miete ungekürzt weiterzahlt. Dies hat der Bundesgerichtshof am 16.07.2003 in einem Grundsatzurteil klargestellt. Der eindeutige Wille des Gesetzgebers lasse keinen Raum für die bisher praktizierte Analogie zu § 539 BGB a.F. ( § 536b BGB n.F. ) Für die Zeit vor dem 01.09.2001 bleibt es jedoch bei der kurzen Verwirkungsfrist von rund sechs Monaten. (Az.: VIII ZR 274/02)


BAG entscheidet erstmals über Wirksamkeit von Schwarzgeldabreden im Arbeitsverhältnis

Eine Abrede, die Arbeitsvergütung ohne Berücksichtigung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen und damit «schwarz» auszuzahlen, führt regelmäßig nicht zur Nichtigkeit des Arbeitsvertrags. Soll die Abführung von Steuern und Beiträgen vereinbarungsgemäß teilweise unterbleiben, ist nur diese Abrede und nicht ein Teil der Vergütungsvereinbarung nichtig, entschied das Bundesarbeitsgericht durch Urteil vom 26.02.2003 (Az.: 5 AZR 690/01).


VGH Baden-Württemberg: Rechtzeitige Abmeldung eines mängelbehafteten Fahrzeugs schützt vor Gebührenzahlung

Eine Amtshandlung (Bescheid) ist unwirksam, wenn vom Bürger etwas verlangt wird, was er tatsächlich nicht (mehr) ausführen kann. Für solche Amtshandlungen können auch dann keine Gebühren gefordert werden, wenn der Bürger sie durch sein Verhalten veranlasst hatte. Dies hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg entschieden (Urteil vom 19.05.2003; Az.: 10 S 619/03; rechtskräftig).


LG Trier: 13-jähriger Schüler muss Schadensersatz wegen Verletzung durch Papierkügelchen leisten

Schüler, die in der Unterrichtspause Papiergeschosse abfeuern und dabei Mitschüler verletzen, müssen Schadensersatz leisten. Dies hat das Landgericht Trier entschieden. Wie die Richter urteilten, hat ein 13-jähriger Junge bereits die erforderliche Einsicht, dass ein Papiergeschoss zu Verletzungen führen kann, wenn es gegen das Gesicht oder gar gegen das Auge eines anderen trifft (Urteil vom 17.07.2003; Az.: 3 O 209/02; rechtskräftig).


OLG München: Zwei Klicks bis zum Web-Impressum sind nicht zu viel

Den Besuchern einer Website kann zugemutet werden, über zwei Links zur Anbieterkennzeichnung (Web-Impressum) zu gelangen. Dies hat das Oberlandesgericht München entschieden. Geklagt hatte die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e. V. Ein Verlag hatte auf seiner Homepage einen Link mit «Kontakt» benannt, über den der Nutzer auf die Unterseite «Impressum» gelangen konnte. Erst dort befanden sich alle gesetzlich vorgeschriebenen Angaben (Urteil vom 18.09.2003; Az.: 29 U 2681/03).

 

BSG: Umwege auf der Fahrt zur Arbeit können Versicherungsschutz kosten

Umwege auf dem Arbeitsweg, die aus privaten Gründen erfolgen, können den Versicherungsschutz kosten. Ein Arbeitnehmer hatte geklagt, weil sein Unfall auf dem Nachhauseweg nicht als Arbeitsunfall anerkannt wurde, obwohl er nur 100 Meter von der direkten Strecke abgewichen war (Urteil vom 24.06.2003; Az.: B 2 U 40/02 R - G; noch nicht rechtskräftig).


LG München I: «Heimliche» Vaterschaftstests sind zulässig

Unverheiratete Väter können die Abstammung des Kindes auch ohne Wissen der Mutter genetisch überprüfen lassen. Dies hat das Landgericht München I in einer am 10.07.2003 veröffentlichten Entscheidung klargestellt. Die Richter stuften einen heimlichen Test als weniger belastend für das Kind ein als eine gerichtlich erzwungene Klärung (Az.: 17HK O 344/03).


BGH: Mieter verliert Minderungsrecht nicht mehr durch rügelose Weiterzahlung des Mietzinses

Nach dem neuen Mietrecht verliert der Mieter bei nachträglich auftretenden Mängeln seinen Anspruch auf Minderung nicht mehr allein dadurch, dass er die Miete ungekürzt weiterzahlt. Dies hat der Bundesgerichtshof am 16.07.2003 in einem Grundsatzurteil klargestellt. Der eindeutige Wille des Gesetzgebers lasse keinen Raum für die bisher praktizierte Analogie zu § 539 BGB a.F. (§ 536b BGB n.F.) Für die Zeit vor dem 01.09.2001 bleibt es jedoch bei der kurzen Verwirkungsfrist von rund sechs Monaten. (Az.: VIII ZR 274/02)

 

OLG Frankfurt: Kein Schadensersatzanspruch wegen Amalgam-Füllungen

Hersteller des Zahnfüllstoffes Amalgam können aufatmen. nach einer am 01.07.2003 bekannt gegebenen Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt können sie nicht auf Zahlung von Schadensersatz oder Schmerzensgeld in Anspruch genommen werden. Ein Zusammenhang zwischen der Freisetzung von Quecksilber aus Amalgam und bestimmten Erkrankungen sei nicht nachweisbar, so die OLG-Richter (Urteil vom 10.04.2003; Az.: 3 U 30/2000; rechtskräftig).

OLG Frankfurt/Main: Erinnerungslücken schaden der Glaubwürdigkeit eines Zeugen nicht

Erinnerungslücken schaden nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main nicht zwangsläufig der Glaubwürdigkeit eines Zeugen. Vor allem, wenn Vorgänge lange zurück liegen, müsse ein Zeuge Details und Begleitumstände nicht mehr ohne weiteres wissen. Das Gericht hob mit seinem Urteil eine Entscheidung des Landgerichts Frankfurt auf (Az.: 17 U 27/99).

LG Trier: Keine Haftung der Bank bei unsicherer Verwahrung der EC-Karte

Wer seine EC-Karte an einem allgemein zugänglichen Ort aufbewahrt, kann im Falle eines Diebstahls nicht die Bank auf Ersatz des entstehenden Schadens in Anspruch nehmen. Dies geht aus einem am 12.06.2003 bekanntgemachten Urteil des Landgerichts Trier hervor. Die Richter wiesen damit die Klage einer Bankkundin ab, die ihre Handtasche mit der Karte im Aufenthaltsraum ihrer Arbeitsstelle aufbewahrt hatte. (Urteil vom 03.04.2003; Az.: 3 S 125/02; rechtskräftig)


OLG Oldenburg: Bei Unfallflucht kein Kaskoschutz

Begeht ein Autofahrer Unfallflucht, riskiert er den Schutz einer etwaigen Kaskoversicherung. Wie das Oberlandesgericht Oldenburg in einem jetzt bekannt gegebenen Urteil entschied, gilt dies auch, wenn der Autofahrer in tätiger Reue den Unfall am Folgetag bei der Polizei meldet (Urteil vom 30.04.2003; Az.: 3 U 2/03; rechtskräftig).


BGH: Kündigungsfristen des neuen Mietrechts gelten nicht für Altverträge

Die Kündigung eines vor der Mietrechtsreform vom 01.09.2001 geschlossenen Mietvertrages ist ausschließlich zu den im Vertrag vereinbarten Kündigungsfristen zulässig. Die neu eingeführte mieterfreundlichere Dreimonatsfrist des § 573 c Abs. 1 BGB gilt selbst dann nicht, wenn es sich bei dem Mietvertrag um einen Formularvertrag handelt, der nur die damaligen gesetzlichen Fristen sinngemäß oder wörtlich wiederholt, entschied der Bundesgerichtshof durch vier Urteile vom 18.06.2003 (Az.: VIII ZR 240/02, 324/02, 339/02, 355/02).

 

OLG Frankfurt a.M.: Bei 1,6 Promille trifft Autofahrer stets Mitschuld

Bei einem Blutalkoholgehalt von 1,6 Promille trifft einen Autofahrer stets eine Mitschuld an einem Unfall. Das geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main hervor. Der Autofahrer könne sich in diesem Fall nicht darauf berufen, der Unfall sei für ihn ein unabwendbares Ereignis gewesen. Vielmehr dürfe angenommen werden, dass der Unfall einen wesentlich leichteren Verlauf genommen hätte, wäre der Fahrer nicht betrunken gewesen (Az.: 17 U 220/01).

AG München: Reiserücktritt bei Erkrankung eines Angehörigen sofort geltend machen

Bei einer unerwarteten schweren Erkrankung eines Angehörigen muss eine gebuchte Urlaubsreise umgehend storniert werden, um von der Reiserücktrittversicherung die Kosten erstattet zu bekommen. Ein Urlauber müsse ohne schuldhaftes Verzögern handeln, andernfalls müsse die Versicherung nicht zahlen, entschied das Münchner Amtsgericht in einem am 05.06.2003 veröffentlichten Urteil (Az: 261 C 35677/01).

 

LAG Frankfurt a.M.: Arbeitnehmer darf nicht von Überstunden ausgeschlossen werden

Einzelne Arbeitnehmer dürfen von ihrer Firma wegen des Gebots der Gleichbehandlung nicht von Überstunden ausgeschlossen werden. Das hat das hessische Landesarbeitsgericht in Frankfurt in einem am 06.05.2003 bekannt gewordenen Urteil entschieden. Die Richter gaben damit der Klage eines Gruppenleiters statt und verurteilten seinen Arbeitgeber, an ihn einen Lohnausgleich für nicht zugewiesene Überstunden zu zahlen (Urteil vom 30.01.2003; Az.: 11 Sa 743/02).

 

BGH: Ärzte müssen rechtzeitig vor der Operation über Risiken aufklären

Ärzte müssen ihre Patienten spätestens am Tag vor einer riskanten Operation über die Gefahren des Eingriffs aufklären. Nach einem jetzt veröffentlichten Urteil des Bundesgerichtshofs gilt dies in der Regel bei stationären Behandlungen, aber auch bei größeren ambulanten Eingriffen mit beträchtlichen Risiken. Das Selbstbestimmungsrecht des Patienten erfordere, dass er nach den gegebenen Umständen noch ausreichend Gelegenheit habe, sich innerlich frei für oder gegen eine Operation zu entscheiden (Urteil vom 25.03.2003; Az.: VI ZR 131/02).

 

Informationspflichten des Anlageberaters

Das Oberlandesgericht München hat in einem Urteil (Az. 19 U 5098/01) von 21.03.2002 rechtskräftig entschieden, dass ein Finanzdienstleister wegen Falschberatung im Zusammenhang mit der Empfehlung einer Kapitalanlage, die daraus entstandenen Schäden ausgleichen muss.

Geht der Empfehlung einer Kapitalanlage die Erhebung von Daten zur finanziellen Situation des Anlegers voraus, etwa im Rahmen einer Finanz-, Steuer- und Zieldokumentation, dann liegt ein Anlageberatungsvertrag vor. Denn in diesem Fall ist der Anlageberater umfassend über die Vermögenssituation des Anlegers informiert.

Auf der Grundlage eines Anlageberatungsvertrags ist der Anlageberater verpflichtet, die Höhe der Belastung insbesondere bei unerfahrenem Vertragspartner in einem vernünftigen Verhältnis zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu prüfen. Geschieht eine solche Verhältnismäßigkeitsprüfung nicht oder wird trotz eines massiv unvorteilhaften oder sogar Existenz bedrohenden Verhältnisses dem Anleger eine Anlage empfohlen, so ist der Anlageberater auf Grund seiner Falschberatung schadenersatzpflichtig.

LG Stendal: Weiterfahren trotz Übermüdung ist grob fahrlässig

Ein Kraftfahrer, der sich über deutliche Anzeichen einer Übermüdung hinwegsetzt und deshalb einen Schaden verursacht, handelt grob fahrlässig und kann für die Folgen haftbar gemacht werden. Wie die Verkehrsrechts-Anwälte im Deutschen Anwaltverein am 31.03.2003 mitteilten, gab das Landgericht Stendal mit dieser Begründung der Versicherung eines Lkw-Fahrers Recht, die von diesem Reparaturkosten zurückerstattet haben wollte (Urteil vom 04.12.2002; Az.: 23 O 67/02).

 

BGH: Widerrufsrecht bei Fernabsatzverträgen besteht auch bei Waren aus zusammengesetzten Bauteilen

Bei Waren, die auf Bestellung des Kunden aus Standardbauteilen zusammengesetzt werden, so dass sie später mit verhältnismäßig geringem Aufwand ohne Beeinträchtigung ihrer Substanz oder Funktionsfähigkeit wieder getrennt werden können, ist ein Widerrufsrecht nicht ausgeschlossen. Dies entschied der Bundesgerichtshof am 02.04.2003 und gab einem Kunden Recht, der ein im Versandhandel bestelltes Notebook wieder zurückgeben wollte. Das Widerrufsrecht sei nicht gemäß § 3 Abs. 2 Nr. 1 FernAbsG (jetzt § 312 d Abs. 1 BGB) ausgeschlossen, eine Anfertigung «nach Kundenspezifikation» läge hier nicht vor (Az.: VIII ZR 295/01).

 

OLG Saarbrücken: Autofahrer dürfen für Kleintiere nicht stark bremsen

Wer für ein Eichhörnchen bremst und dadurch einen Auffahrunfall verursacht, muss für die Schäden gerade stehen. Denn um den nachfolgenden Verkehr zu schützen, müssen Autofahrer Kleintiere notfalls überfahren, entschieden die Richter des Saarländischen Oberlandesgerichts in Saarbrücken mit einem von den Verkehrsrechts-Anwälten im Deutschen Anwaltverein am 31.03.2003 veröffentlichten Urteil vom 07.01.2003 (Az.: 3 U 26/02).

 

BGH: Neugesellschafter einer GbR haftet mit Privatvermögen für Altschulden

Der Bundesgerichtshof hat in Abänderung der bisherigen Rechtsprechung mit Urteil vom 07.04.2003 entschieden, dass ein neu in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts eintretender Gesellschafter für bei seinem Eintritt bereits bestehende Verbindlichkeiten der Gesellschaft mit seinem Privatvermögen haftet. Aus Gründen des Vertrauensschutzes gelte dies aber erst für künftige Beitrittsfälle, so die Karlsruher Richter (Az.: II ZR 56/02).

 

OLG München: Der AN kann Sicherheit nach § 648a BGB auch nach der Abnahme fordern

Leistet der AG die Sicherheit nicht, kann der AN den fälligen Werklohn einklagen. Der AG kann dem kein Zurückbehaltungsrecht nach § 320 BGB entgegensetzen. Er kann die Werklohnforderung nur wegen unstreitiger oder rechtskräftig festgestellter Mängel mindern bzw. nur mit unstreitigen oder rechtskräftig festgestellten Gegenforderungen aufrechnen. (21.01.2003 - 13U4425/02)

LG Osnabrück: Gemeinde hat keine Streupflicht für Radwege

Radfahrer stellen im Vergleich zu Fußgängern wegen ihrer größeren Geschwindigkeit, der geringeren Auflagefläche auf der Fahrbahn sowie der anderen Gewichtssituation ein größeres Gefahrenpotential als Fußgänger dar. Deshalb sei ein wirksamer Streudienst für Radfahrer den Gemeinden nicht zumutbar, entschied das Landgericht Osnabrück im Fall eines Radfahrers, der auf einem nicht gestreuten kombinierten Fuß- und Radweg gestürzt war und daraufhin Schadensersatz von der Gemeinde verlangte (Urteil vom 24.02.2003; Az.: 1 O 2861/02).

 

OLG Köln: Ohne Freisprecheinrichtung droht bei Unfall Mitschuld

Autofahrer, die während der Fahrt mit einem Handy ohne Freisprecheinrichtung telefonieren, bekommen im Falle eines unverschuldeten Unfalls möglicherweise weniger Schadenersatz. Ein Unfallverursacher habe nach einem Urteil des OLG Köln trotz einer eindeutigen Vorfahrtsverletzung nur 80 Prozent des entstandenen Schadens bezahlen müssen, teilte der ADAC (München) am 28.02.2003 mit. Der Grund: Die Geschädigte habe zum Zeitpunkt des Unfalls ohne Freisprecheinrichtung mit einem Handy telefoniert.

 

LG Kiel: Kein Anspruch auf Gesamterneuerung des Motors bei Kauf eines Autos mit «Austauschmotor»

Hat der Verkäufer in einem Inserat seinen Gebrauchtwagen mit «Austauschmotor 90.000 km» privat angeboten, bedeutet dies nach allgemeiner Verkehrsanschauung, dass der Wagen nur einen Ersatzmotor mit einer Laufleistung von 90.000 km aufweist. Einen darüber hinausgehenden Erklärungswert, dergestalt, dass der Verkäufer eine Gesamterneuerung des Motors durch den Hersteller garantiert hat, kann einem solchen Inserat nicht entnommen werden, entschied das Landgericht Kiel. Das Gericht wies damit die Berufung einer Käuferin zurück, die von letzterem ausgegangen war und deswegen vom Kaufvertrag zurücktreten wollte. (Urteil vom 16.01.2003, Az.: 10 S 58/02)

 

OLG Hamm: Banken dürfen per Aushang Sparzinsen anpassen

Eine Bank darf die Zinssätze von Sparguthaben anpassen, wenn sie eine entsprechende Klausel in ihre Geschäftsbedingungen aufgenommen und mit ihren Kunden einen variablen Zinssatz vereinbart hat. Für die Bekanntgabe der geänderten Zinssätze genügt ein Aushang in den Geschäftsräumen. Denn Sparer seien nicht so schutzbedürftig wie Kreditnehmer, entschied das Oberlandesgericht Hamm in einem am 14.03.2003 bekannt gewordenen Urteil vom 05.02.2003 (Az.: 31 U 101/02).

 

OLG Oldenburg: In Werbung versprochene Gewinne müssen gezahlt werden

Wer per Post Werbesendungen verschickt, in denen ein Gewinn angekündigt wird, hat nach § 661 a BGB den Preis auszuzahlen, auch wenn die Ansprüche an anderer Stelle in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eingeschränkt werden. Dies hat das Oberlandesgericht Oldenburg in einem jetzt veröffentlichten Urteil entschieden. Nach Auffassung der Richter wurde die klagende Verbraucherin weder auf die Existenz einer Einschränkung hingewiesen, noch hatte sie die Möglichkeit, hiervon Kenntnis zu erlangen. Die AGB mit den Gewinn-Regeln befanden sich versteckt auf einem gesonderten Werbeprospekt (Urteil vom 07.03.2003; Az.: 6 U 173/02).

 

BAG: Arbeitgeber darf übertariflich bezahltes Gehalt auf Tariferhöhung anrechnen

In Anschluss an seine bisherige Rechtsprechung hat das Bundesarbeitsgericht mit Urteil vom 25.06.2002 noch einmal klar gestellt, dass ein Arbeitgeber, der seinem Arbeitnehmer ein übertarifliches Gehalt zahlt, dieses anlässlich einer Tarifgehaltserhöhung jedenfalls dann nicht erhöhen muss, wenn auch das neue Tarifentgelt das bisherige Effektivgehalt nicht erreicht. Dabei seien die Grundsätze zur Anrechenbarkeit von Tarifgehaltserhöhungen auf übertarifliche Entgelte auch dann anzuwenden, wenn die Erhöhung der tariflichen Löhne für zurückliegende Monate nicht prozentual, sondern im Wege der «Einmalzahlung» erfolgt (Az.: 3 AZR 167/01.

 

VGH Baden-Württemberg: Handynummer an der Windschutzscheibe schützt nicht vor Abschleppen

Einer im verkehrswidrig geparkten Auto sichtbar hinterlegten Visitenkarte mit darauf vermerkter Mobiltelefonnummer können die Vollzugsbeamten nicht entnehmen, dass der Fahrer leicht, kurzfristig und zuverlässig erreichbar ist. Ein sofortiges Abschleppen des Fahrzeugs ohne vorherigen Versuch, den Fahrer telefonisch zu erreichen, sei daher zulässig, entschied der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg durch Urteil vom 07.02.2003 (Az.: 1 S 1248/02).

 

BGH: Gesellschafterversammlung einer GmbH darf über satzungsauslegende Beschlüsse entscheiden

Der Bundesgerichtshof hat sich in einer Entscheidung vom 25.11.2002 näher zur Zuständigkeit der Gesellschafterversammlung einer GmbH geäußert und unter anderem klar gestellt, dass in die Kompetenz grundsätzlich auch satzungsauslegende Beschlüsse fallen, mit denen über die fragliche Satzungskonformität bestimmter Maßnahmen, hier einer Geschäftsanteilsveräußerung, entschieden werden soll. Diese unterliegen wie sonstige Gesellschafterbeschlüsse auch einer gerichtlichen Überprüfung. (Az.: II ZR 69/01)

 

OLG Karlsruhe: Fahrverbot für Außendienstmitarbeiterin zumutbar

Eine Außendienstmitarbeiterin, die bereits mehrfach wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen verurteilt worden ist, kann sich bei einer Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit um 29 km/h auch dann nicht auf ein bloßes Augenblicksversagen berufen, wenn sie sich in einer ihr fremden Stadt befindet und durch das verkehrswidrige Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer abgelenkt wird. Ein als Folge des Verkehrsverstoßes ausgesprochenes einmonatiges Fahrverbot ist daher zulässig und trotz der Tatsache, dass die Betroffene beruflich auf das Fahren angewiesen ist, auch zumutbar. Dies entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe durch Beschluss vom 17.02.2003 (Az.: 1 Ss 167/02).

 

OLG Hamm zur Mitnahme von EC-Karte und Geheimnummer in den Urlaubsort

Wer eine EC-Karte und einen Zettel mit der Geheimnummer mit in den Urlaub nimmt, obwohl er diese gar nicht benutzen wollte, handelt grob fahrlässig. Seine Bank haftet deshalb nicht, wenn ein Dieb mit der Karte Geld vom Konto abhebt, entschied das Oberlandesgericht Hamm durch ein am 26.02.2003 bekannt gemachtes Urteil vom 05.02.2003 (Az.: 31 U 109/02).

 

OLG Frankfurt a.M. zum Anfechtungsrecht bei einem «online» abgeschlossenen Kaufvertrag

Werden Preise durch einen Softwarefehler zu niedrig in die Internetdatenbank und damit auf die Homepage des Anbieters transportiert, kann die Annahme der Bestellung eines Kunden zu den niedrigeren Preisen wegen des Übermittlungsfehlers nach § 120 BGB anfechtbar sein. Der Anbieter ist in diesem Falle nicht an die von ihm automatisch versandte Annahme der Bestellung gebunden und muss seine Ware nicht zu dem auf der Homepage genannten Preis liefern. Dies entschied das Oberlandesgericht Frankfurt a.M. durch ein am 26.02.2003 bekannt gemachtes Urteil vom 20.11.2002. (Az.: 9 U 94/02)

 

OLG Stuttgart bejaht persönliche Haftung des Geschäftsführers bei Fonds-Verlust

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat mit einer am 02.01.2003 bekannt gewordenen Entscheidung den Geschäftsführer einer Anlagevermittlungsgesellschaft persönlich für Verluste bei Immobilienfonds haftbar gemacht. Denn dieser habe den Anleger nicht auf die sehr negativen Presseberichte über die Fonds hingewiesen und ihn deshalb vorsätzlich sittenwidrig geschädigt (Urteil vom 27.11.2002; Az.: 9 U 59/02). Die Vorinstanz hatte hingegen zwar die Gesellschaft zu Schadenersatz verurteilt, die Klage gegen den Geschäftsführer aber abgewiesen.

 

LSG: Auch Tätigkeit beim Ehegatten auf eigenem Grundstück kann Arbeitnehmertätigkeit sein

Mit Urteil vom 13.12.2002 hat das Landessozialgerichts für das Land Brandenburg erneut entschieden, dass die Ausübung eines selbständigen Gewerbes auf einem Grundstück, das dem Ehegatten des Betriebsinhabers gehört, nicht ausschließt, dass ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis des Ehegatten vorliegt, der Grundstückseigentümer, aber nicht Betriebsinhaber ist. (Az.: L 10 AL 180/01)

 

BGH: Bei Rückabwicklung eines Auto-Leasingvertrags kein Anspruch auf angerechneten Geldbetrag

Wer beim Abschluss eines Neuwagen-Leasingvertrags sein Altfahrzeug in Zahlung gibt, kann im Fall einer Vertrags-Rückabwicklung nicht den für seinen Gebrauchtwagen auf die Mietsonderzahlung angerechneten Geldbetrag zurückverlangen. Nach einem am 09.01.2003 bekannt gewordenen Urteil des Bundesgerichtshofs muss sich der Leasingnehmer mit der Rückgabe des in Zahlung gegebenen Gebrauchtwagens selbst begnügen (Urteil vom 30.10.2002; Az.: VIII ZR 119/02).

 

LG Frankfurt a.M.: Vertane Urlaubszeit ist mit 72 Euro pro Tag zu entschädigen

Im Hinblick auf die Euro-Einführung und die Steigerung der Reisepreise hat das Landgericht Frankfurt a.M. den pauschalen Betrag für vertanen Urlaub auf 72 Euro pro Tag festgesetzt. In alter Währung hatte der geringere Satz von 130 DM gegolten. Der nun in Euro festgesetzte pauschale Betrag orientiere sich am aktuellen durchschnittlichen täglichen Nettoeinkommen eines Erwerbstätigen, teilte das Gericht am 09.01.2003 mit (Urteil vom 17.12.2002, Az.: 2-19 O 233/02).

 

OLG Koblenz: Grundstückseigentümer muss Strommast dulden

Nach einem am 20.01.2003 veröffentlichten Urteil das Oberlandesgerichts Koblenz muss ein Grundstückseigentümer auch nach der Liberalisierung des Strommarktes das Anbringen von Strommasten und das Verlegen von Leitungen auf seinem Grundstück dulden, sofern für ihn damit nicht unzumutbare Belastungen verbunden sind (Urteil vom 02.10.2002; Az.: 7 U 1722/01).

 

LAG Rheinland-Pfalz: Kein Weihnachtsgeld während des Erziehungsurlaubs

Ein Arbeitgeber muss einer Arbeitnehmerin während des Erziehungsurlaubs grundsätzlich kein Weihnachtsgeld zahlen. Dies hat das LAG Rheinland-Pfalz in Mainz in einem am 27.01.2003 veröffentlichten Urteil entschieden. Mit der unterschiedlichen Behandlung der Arbeitnehmerin im Vergleich zu den übrigen Beschäftigten verstoße der Arbeitgeber nicht gegen den arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz (Urteil vom 29.10.2002; Az.: 5 Sa 852/02).

 

BGH: Auch bei Pauschalpreisverträgen kann sich Preis durch geänderte Bauausführung erhöhen

§ 2 Nr. 5 VOB/B, wonach ein neuer Preis unter Berücksichtigung der Mehr- oder Minderkosten zu vereinbaren ist, wenn sich die Grundlagen des Preises für eine im Vertrag vorgesehene Leistung durch eine Änderung des Bauentwurfs oder andere Anordnungen des Auftraggebers geändert haben, ist auf einen Pauschalpreisvertrag im Sinne des § 2 Nr. 7 VOB/B selbst dann anwendbar, wenn die geändert ausgeführte Leistung zu keiner wesentlichen Abweichung vom vereinbarten Preis führt. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 12.09.2002 (Az. VII ZR 81/01) hervor.

 

LAG: Arbeitsverhältnis zwischen Ehegatten begründet Lohnanspruch

Besteht zwischen zwei Ehepartnern ein Arbeitsverhältnis, so hat der mitarbeitende Partner neben dem Unterhalts- auch einen Lohnanspruch. Das entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz in Mainz in einem am 03.12.2002 bekannt gewordenen Urteil und gab damit der Zahlungsklage einer Ehefrau gegen den von ihr getrennt lebenden Ehegatten statt. (Az.: 7 Sa 1390/01).

 

BGH: Bei Insolvenz des Reiseveranstalters dürfen Reise- büros Anzahlungen nicht an Kunden zurückzuzahlen

Reisebüros haben im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Reiseveranstalters kein Recht, an Stelle des Reiseveranstalters oder des Insolvenzverwalters über Anzahlungen auf den Reisepreis zu verfügen, die das Reisebüro als Handelsvertreter und Inkassobevollmächtigter des Reiseveranstalters eingezogen hat. Dies entschied der BGH mit Urteil vom 10.12.2002 (Az.: X ZR 193/99).

 

BVerwG: Gemeinden haben Planungsspielraum bei Windenergieanlagen

In einem Urteil vom 17.12.2002 (Az.: 4 C 15.01 ) hat das Bundesverwaltungsgericht die Klage eines Bauinteressenten abgewiesen, der eine Windenergieanlage auf einem Grundstück errichten wollte, das nicht in der von der – im Märkischen Kreis in Westfalen gelegenen - Gemeinde Neuenrade ausgewiesenen Konzentrationsfläche liegt. Der Flächennutzungsplan müsse - so das BVerwG - nicht alle Bereiche, die sich objektiv für eine Windenergienutzung eignen, für diesen Zweck auch tatsächlich planerisch sichern. Stattdessen könne man sie zu Gunsten anderer Zwecke – z.B. des Naturschutzes – der Windenergienutzung von vornherein verschließen.

 

OLG Hamm: 0190er-Nummern müssen nach einer Stunde abgeschaltet werden

Ein Telefonnetzbetreiber ist gegenüber seinem Kunden verpflichtet, Verbindungen zu 0190-Servicenummern nach einer Stunde zu unterbrechen. Dadurch soll der Kunde vor hohen Kosten durch unbeabsichtigt lange Verbindungen geschützt werden. Das hat das Oberlandesgericht Hamm mit Urteil vom 05.11.2002 entschieden. Die Revision zum BGH wurde wegen der über den Einzelfall hinausgehenden Bedeutung zugelassen (Az: 19 U 41/02).

 

OLG Thüringen: Formgerechte Eigen-Anmeldung zur Gesellschafterverschmelzung heilt den einer Notar-Anmeldung anhaftenden Vollzugsmangel

Entspricht die im Zusammenhang mit einer Gesellschafterverschmelzung erfolgte Notaranmeldung nicht der in § 12 HGB geforderten Form, so wird die Anmeldung nachträglich durch eine formgerechte Eigen-Anmeldung eines Beteiligten geheilt. Das entschied das Thüringer Oberlandesgericht unter anderem mit Beschluss vom 21.10.2002 (Az. 6 W 534/02).

 

OLG Köln: Gerichtsstand der unerlaubten Handlung bei Gewinnmitteilung von ausländischer Firma

Nicht eingelöste Gewinnmitteilungen stellen nach Ansicht des Oberlandesgerichts Köln deliktsähnliche Maßnahmen zur Vertragsanbahnung dar, weshalb für Streitigkeiten nach Art. 5 Nr. 3 EuGVVO bzw. EuGVÜ der Gerichtsstand der unerlaubten Handlung gegeben ist. Dies geht aus einer am 17.12.2002 mitgeteilten Entscheidung hervor. Die Richter gaben damit der Klage einer Verbraucherin gegen ein niederländisches Versand-Unternehmen statt. (Urteil vom 16.12.2002 - Az. 16 U 54/02).

 

BVerfG: Verwertung von Zeugenaussagen über rechtswidrig mitgehörte Telefongespräche unzulässig

Im Zivilprozess kann sich eine Partei grundsätzlich nicht auf Zeugenaussagen über rechtswidrig mitgehörte Telefongespräche stützen. Dies geht aus einem am 31.10.2002 bekanntgemachten Beschluss des Bundesverfassungsgerichts hervor. Das grundgesetzlich geschützte allgemeine Persönlichkeitsrecht stehe einer Verwertung entgegen, so die Richter. Nur bei schweren Straftaten oder in einer «notwehrähnlichen Lage» könne anderes gelten. (Beschluss vom 9. Oktober 2002 - 1 BvR 1611/96 und 1 BvR 805/98)

 

BAG: Kündigung kann auch bei Abwesenheit des Arbeitnehmers als zugegangen gelten

Ein Arbeitnehmer, der aus dem Verfahren vor der Hauptfürsorgestelle (jetzt Integrationsamt) weiß, dass ihm eine fristlose Kündigung zugehen wird, kann sich nach Treu und Glauben auf den verspäteten Zugang nicht berufen, wenn er das Kündigungsschreiben nicht oder nicht zeitnah bei der Postdienststelle abgeholt hat, obwohl ihm ein Benachrichtigungsschein der Post zugegangen ist (Urteil vom 07.11.2002; Az: 2 AZR 475/01).

 

OLG Jena: Krankhafte Störungen infolge Stress führen nicht zum Verlust des Versicherungsschutzes

Die in den Allgemeinen Unfall-Versicherungs-Bedingungen (AUB) in der Regel enthaltene Klausel «Krankhafte Störungen infolge psychischer Reaktionen führen zum Verlust des Versicherungsschutzes, gleichgültig, wodurch diese verursacht sind» wurde nach einem nunmehr veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Jena vom 20.02.2002 als eine unangemessene Benachteiligung des Versicherten für nichtig erklärt (Az.: 4 U 240/01). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und liegt inzwischen dem BGH vor (Az.: VI ZR 153/02).

 

BVerwG: Keine Erschließungsbeiträge für vor der Wiedervereinigung fertiggestellte Straßen

Bürger müssen keine Erschließungsgebühren für Straßen entrichten, die in den neuen Ländern bereits vor dem 03.10.1990 fertig gestellt wurden. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht am 18.11.2002 in Leipzig und bestätigte damit die Vorinstanzen. Wenn bei Straßenarbeiten nach dem Tag der Wiedervereinigung weitere Infrastruktureinrichtungen hinzugefügt würden, dürften nach dem Kommunalabgaberecht des Landes nur für die Erweiterung der Straße Ausbaubeiträge verlangt werden, so das Gericht (Az: 9 C 2.02).

 

BGH: Auch bei bereits abgetretenen Gewährleistungsansprüchen kann Generalunternehmer aus Bürgschaft vorgehen

Hat ein Generalunternehmer seine Gewährleistungsansprüche an die Bauherrengemeinschaft abgetreten und darf er aber laut Vertrag die Forderungen im eigenen Namen geltend machen, gilt dies auch für Ansprüche aus einer Gewährleistungsbürgschaft, die dem Generalunternehmer erst nach Abtretung der Hauptforderung erteilt worden ist. Voraussetzung dafür ist, dass sich Zedent und Zessionar bei Abtretung der Gewährleistungsansprüche zugleich über die Abtretung künftiger Sicherheiten geeinigt hatten. Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshof vom 15.08.2002 (Az. IX ZR 217/99) hervor.

 

BGH: Preisanpassungsklausel von Reiseveranstaltern unwirksam

Mit Urteil vom 19.11.2002 hat der BGH entschieden, dass so genannte Preisanpassungsklauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines Reiseveranstalters unwirkam sind. Nach Auffassung der Richter ist eine Klausel in der sich der Reiseveranstalter vorbehält, «die ausgeschriebenen und mit der Buchung bestätigten Preise im Falle der Erhöhung der Beförderungskosten oder der Abgaben für bestimmte Leistungen, in dem Umfang zu ändern, wie sich deren Erhöhung pro Person bzw. pro Sitzplatz auf den Reisepreis auswirkt», unwirksam und verstößt gegen das in § 651 a Abs. 4 BGB konkretisierte Transparenzgebot. (Urteil vom 19.11.2002 - Az: X ZR 243/01)

 

BGH erleichtert Aktionärsklagen gegen Wirtschaftsprüfer-Bestellung

Kleinaktionäre können künftig leichter gegen die Bestellung von Wirtschaftsprüfern vorgehen, die aus ihrer Sicht befangen sind. Der Bundesgerichtshof erklärte in einem am 26.11.2002 veröffentlichten Urteil die Hauptversammlungsbeschlüsse der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank für nichtig, mit denen unter anderem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zum Abschlussprüfer für das Jahr 1999 bestellt worden war. Ein Aktionär hatte die Unabhängigkeit der KPMG angezweifelt, weil sie die Bank schon zuvor beraten hatte. (Urteil vom 25.11.2002; Az.: II ZR 49/01).

 

VGH Baden-Württemberg: Falschparker muss auch Leerfahrt des Abschleppunternehmers zahlen

Ein Kraftfahrer muss der Polizei die Kosten einer Abschleppmaßnahme wegen seines verbotswidrig abgestellten Fahrzeugs auch dann erstatten, wenn er sein Fahrzeug vor Eintreffen des Abschleppfahrzeugs zwar noch selbst wegfährt, der Abschleppauftrag jedoch nicht mehr storniert werden kann. Dies entschied der 1. Senat des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg mit einem am 07.10.2002 veröffentlichten Urteil (Az.: 1 S 1531/01 vom 27.06.2002; rechtskräftig).

 

BGH: Reiseveranstalter muss auf drohenden Hurrikan hinweisen

Erhält der Reiseveranstalter kurz vor dem Abflug eine Hurrikan-Vorwarnung für die Karibik und teilt er dies den Reisenden nicht mit, weil er die «Eintreffwahrscheinlichkeit» für gering ansieht, können Reisende den gesamten Reisepreis sowie eine Entschädigung für nutzlos aufgewendete Reisezeit geltend machen, wenn ihre Ferienanlage dann doch vom Hurrikan zerstört wird und sie provisorisch in anderen Teilen des Landes untergebracht werden. Das hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 15.10.2002 (Az. X ZR 147/01) entschieden.

 

ArbG Duisburg: Vertragsstrafe im Arbeitsrecht auch nach Schuldrechtsreform zulässig

Auch nach der Schuldrechtsreform zum 01.01.2002 ist die formularmäßige Vereinbarung einer Vertragsstrafe im Arbeitsvertrag zulässig, weil der Anwendung des in § 309 Nr. 6 BGB n.F. enthaltenen Klauselverbots die «Besonderheiten des Arbeitsrechts» im Sinne des § 310 IV 2 BGB entgegenstehen. Das hat das Arbeitsgericht Duisburg mit Urteil vom 14.08.2002 (Az. 3 Ca 1676/02) entschieden.

 

BSG: Keine Sperrzeit des Arbeitslosengelds bei Eigenkündigung wegen Umzug mit nichtehelichem Lebenspartner

Ein Arbeitnehmer, der seine Arbeitsstelle kündigt, um mit seinem Lebenspartner umzuziehen, hat zukünftig einen Anspruch auf Arbeitslosengeld vom ersten Tag der Arbeitslosigkeit an. Das hat der 7. Senat des Bundessozialgerichts gestern in einem Grundsatzurteil entschieden (Urteil vom 17.10.2002, Az. B 7 AL 96/00 R). Der Senat gab damit seine bisherige Rechtsprechung auf, nach der in keinem Fall ein wichtiger Grund gemäß § 119 Abs. 1 AFG (jetzt § 144 Abs. 1 SGB III) anerkannt werden konnte, wenn eine Beschäftigungsaufgabe zum Zwecke der Aufrechterhaltung einer eheähnlichen Gemeinschaft erfolgte.

 

OLG Koblenz: Keine Berufsunfähigkeitsrente bei Verschweigen chronischer Erkrankung gegenüber Versicherung

Das Oberlandesgericht Koblenz hat mit Urteil vom 20.10.2002 einem Versicherungsnehmer Ansprüche auf eine Berufsunfähigkeitsrente versagt, weil dieser bei Abschluss seiner Kapitallebensversicherung mit Berufsunfähigkeitszusatz schwerwiegende chronische Erkrankungen wissentlich verschwiegen und so den Versicherer arglistig getäuscht hatte. Dem Versicherten sei bewusst gewesen, dass sein Antrag bei wahrheitsgemäßen Angaben möglicherweise nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen angenommen worden wäre, so die OLG-Richter (Az.: 10 U 333/02).

 

OLG Karlsruhe: Schmerzensgeld trotz Drängen des Patienten auf Fehlbehandlung

Eine medizinisch fehlerhafte Behandlung darf ein Arzt auch auf nachdrücklichen Wunsch des Patienten nicht durchführen. Dies geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 11.09.2002 (Az.: 7 U 102/01) hervor. Dem Kläger steht in vollem Umfang Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz zu, da der Arzt trotz seines Wissens um die Narbenneigung seines Patienten sich wiederholt auf aussichtslose Laseroperationen am Auge eingelassen hatte, die dessen Gesundheit zudem in erheblichem Maße beeinträchtigten.

 

Findling neben der Fahrbahn - keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht

Eine Gemeinde verletzt ihre Verkehrssicherungspflicht nicht, wenn sie direkt neben der Fahrbahn einen Findling aufstellt. Kollidiert ein Autofahrer mit dem Stein, weil dieser von Schnee verdeckt ist, kann er daher keinen Schadenersatzanspruch geltend machen. Dies geht aus einem am 30.10.2002 bekanntgemachten Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz hervor. (Urteil vom 30.09.2002 - Az.: 12 U 1863/01)

 

Medizinisch-psychologisches Gutachten auch bei Alkoholauffälligkeit im Alltag

Nicht nur «Trunkenheit am Steuer», sondern auch Alkoholauffälligkeiten außerhalb des Strassenverkehrs können die Fahrerlaubnisbehörde dazu berechtigen, ein medizinisch-psychologisches Gutachten zu verlangen. Wird dieses verweigert, darf die Fahrerlaubnis entzogen werden. Dies hat der 10. Senat des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg in einem Beschluss vom 29.07.2002 klargestellt. (Az.: 10 S 1164/02). Betroffen war ein Taxifahrer, der von der Polizei mehrfach als Passant betrunken aufgegriffen wurde.

 

AG Pirmasens: Heizöl-Sammelbesteller haften als BGB-Gesellschaft gesamtschuldnerisch

Die Mitglieder einer Sammelbestellergemeinschaft zur Lieferung von Heizöl haften als BGB-Gesellschaft dem Lieferanten gegenüber als Gesamtschuldner für die Bezahlung der gesamten gelieferten Heizölmenge, d.h. auch für das von den anderen Sammelbestellern bezogene Heizöl. Das gilt einem am 01.10.2002 veröffentlichten Urteil des Amtsgerichts Pirmasens zufolge auch dann, wenn die Rechnungstellung zunächst gegenüber jedem Besteller gemäß seinem Lieferungsanteil erfolgt (Az.: 1 C 197/02; nicht rechtkräftig).

 

OLG Karlsruhe bejaht Mietminderung bei falscher Wohnflächenangabe

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat mit Urteil vom 28.12.2001 (Az. 17 U 176/00), das jetzt in der NJW-RR 2002, 586 veröffentlicht wurde, abweichend zur bisherigen OLG-Rechtsprechung eine Mietminderung für den Fall gebilligt, dass die tatsächliche Fläche einer Wohnung um mehr als 10 Prozent kleiner ist als im Mietvertrag angegeben. Bisher wurde eine Mietminderung unter anderem nur dann zugelassen, wenn durch die Flächenabweichung die Gebrauchstauglichkeit der Wohnung beeinträchtigt wurde.

 

BAG: Arbeitnehmer haben Anspruch auf Ausgleich für Nachtarbeit

Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 05.09.2002 haben Arbeitnehmer Anspruch auf einen Ausgleich für Nachtarbeit. Der Arbeitgeber kann dabei aber zwischen einem Ausgleich durch bezahlte freie Tage oder durch einen Zuschlag auf das Bruttoarbeitsentgelt wählen. Das BAG hält einen Zuschlag von 30 % für angemessen (Az.: 9 AZR 202/01).

 

LAG Hessen: Trotz Verstoßes gegen Attestpflicht bei Krankheit keine fristlose Kündigung

Auch mehrere Verstöße gegen die Attestpflicht bei einer Krankheit rechtfertigen noch nicht automatisch die fristlose Kündigung eines Arbeitnehmers. Das geht aus einem am 05.08.2002 bekannt gewordenen Urteil des hessischen Landesarbeitsgerichts in Frankfurt hervor. Die Richter gaben in diesem Punkt der Klage eines Repräsentationsleiters gegen eine Touristik-Zentrale statt, erklärten aber die hilfsweise ausgesprochene ordentliche Kündigung für zulässig (Az.: 16/9 Sa 1876/01).

 

LG: Selbstjustiz im Straßenverkehr kann teuer werden

Wer im Straßenverkehr aus Ärger einen Unfall provoziert, muss damit rechnen, den resultierenden Schaden allein tragen zu müssen. Dies geht aus einer Entscheidung des Landgerichts Mönchengladbach (NJW 2002, 2186) hervor, welche die Verkehrsrechts-Anwälte im Deutschen Anwaltsverein am 24.09.2002 bekannt gemacht haben. Die Richter wiesen die Klage eines Autofahrers ab, der einen Auffahrunfall provoziert hatte und die auffahrende Beklagte dafür haftbar machen wollte (Urteil vom 16.04.2002 - Az.: 5 S 86/01)

 

LG Hof: Breite der Straße für Vorfahrtsberechtigung nicht ausschlaggebend:

Die «Rechts vor Links-Regelung», wonach bei Straßenkreuzungen ohne Verkehrsschilder das von rechts kommende Fahrzeug Vorfahrt hat, gilt auch dann, wenn die nicht zur Vorfahrt berechtigte Straße breiter als die vorfahrtsberechtigte ist. Das hat das Landgericht Hof in einer am 05.08.2002 bekannt gegebenen Entscheidung (Az. 24 S 32/02) klar gestellt.

 

ArbG: Vereinbarung von Kündigungsgründen im Arbeitsvertrag unzulässig:

Die Vereinbarung von Kündigungsgründen im Arbeitsvertrag ist wegen Umgehung des Kündigungsschutzgesetzes nach Ansicht des Arbeitsgerichtes Frankfurt/Main grundsätzlich unzulässig. Dies hat das Gericht in einem jetzt bekannt gewordenen Urteil festgestellt. (Az: 9 Ca 127/02)

 

LAG: Anspruch auf Änderung des Arbeitszeugnisses verjährt nach fünf bis zehn Monaten:

Der Anspruch auf die Berichtigung eines Arbeitszeugnisses darf nicht zu spät angemeldet werden. Dies entschied das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz in einem jetzt veröffentlichten Urteil. Die Richter legten hierfür einen Zeitraum von maximal fünf bis zehn Monaten fest (Az:1 Sa 1433/01).

 

BStBK warnt vor übereilten Entscheidungen in Erbschafts- bzw. Schenkungsangelegenheiten:

Anlässlich der verfassungswidrigen Einstufung der Erbschaftsteuer durch den Bundesfinanzhof und seines Vorlagebeschlusses an das Bundesverfassungsgericht hat die Bundessteuerberaterkammer (BStBK) in einer Mitteilung vom 22.08.2002 festgestellt, dass es keinen akuten Handlungsbedarf für Steuerpflichtige gebe. Denn allein durch den Vorlagebeschluss ergäben sich für sie keine unmittelbaren steuerlichen Konsequenzen.

 

Ab September neue Mindestlöhne am Bau:

Bundesarbeitsminister Walter Riester hat am 21.08.2002 laut einer Mitteilung seines Ministeriums das Bundeskabinett über die neue Mindestlohnverordnung für das Baugewerbe unterrichtet. Mit dieser Verordnung soll über das Arbeitnehmer-Entsendegesetz sichergestellt werden, dass allen Arbeitnehmern auf deutschen Baustellen der tarifvertraglich vereinbarte Mindestlohn zu zahlen ist.

 

OLG Nürnberg: Versicherung muss bei Unfall mit «frisiertem» Zweirad nicht zahlen:

Wer mit einem «frisierten» Motorrad einen Unfall baut, muss unter Umständen selbst für den Schaden aufkommen. Das geht aus einer am 20.08.2002 veröffentlichten Entscheidung des Oberlandesgerichts Nürnberg hervor. Das Gericht wies damit die Klage eines Mannes gegen dessen Haftpflichtversicherung ab. Die Versicherung hatte sich geweigert, nach einem Unfall des Mannes mit seinem «frisierten» Leichtkraftrad für den Schaden aufzukommen. Gleichzeitig hatte sie den Vertrag fristlos gekündigt (Az. 8 U 3687/01).

 

 

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